Wie erkenne ich eine Netzhautablösung

Wie erkenne ich eine Netzhautablösung

Eine Netzhautablösung ist ein augenärztlicher Notfall mit guter Prognose bei rechtzeitiger Behandlung. Es ist daher wichtig bei Symptomen wie Blitzen im Auge, neue aufgetretenen schwarzen Punkten und bei der Wahrnehmung eines Schattens ehestmöglich einen Augenarzt aufzusuchen.

Oft ist das erste Symptom  die Wahrnehmung von Lichtblitzen im Auge. Später bemerkt man schwarze Punkte und letztendlich nimmt man einen größeren Schatten wahr. Dieser senkt sich  von oben wie ein Vorhang oder steigt von unten wie eine Mauer auf. Letztendlich erlischt allmählich das Sehvermögen komplett. „ All dies sind typische Symptome einer Netzhautablösung“, sagt Ernst Dragosits, Facharzt für Augenheilkunde im Rainerpark in Schwanenstadt und im Klinikum Wels. „In dieser Situation zuzuwarten und zu hoffen, dass es von selbst zu einer Besserung kommt, ist ein Fehler, weil eine Selbstheilung nicht möglich ist.“

Im Klinikum Wels kam es in letzter Zeit zu einer Anhäufung von Fällen, bei denen die Netzhautablösung bereits weit fortgeschritten war, weil die Patienten verzögert ihren Augenarzt aufgesucht haben.

„Je länger eine Netzhautablösung besteht, umso schwieriger ist ihre Behandlung und umso schlechter ist die Prognose für das noch zu erreichende Sehvermögen des betroffenen Auges. Eine Netzhautablösung stellt einen Notfall dar und gehört daher ehestmöglich behandelt.“ erklärt Dr. Dragosits.


Die Netzhaut kleidet als innerste Schicht den Augapfel aus. In ihr finden sich circa 1 Million Sinneszellen, deren Funktion es ist, das Licht in elektrische Impulse umzuwandeln. Wenn man das Auge mit einer Kamera vergleicht, hätte die Netzhaut die Aufgabe des Films. Die nächsten Schichten unter der Netzhaut sind das Pigmentepithel und die Aderhaut. Verliert die Netzhaut den Kontakt zum Pigmentepithel ist ihre Ernährung nicht mehr gewährleistet und die Sinneszellen sterben ab.

 

Mögliche Ursachen

Ursache für eine Netzhautablösung ist in den meisten Fällen ein Riss oder ein Loch in der Netzhaut, durch das Flüssigkeit unter die Netzhaut gelangen kann.

Ursache für die Rissbildung ist ein Zug des Glaskörpers. Der Glaskörper ist eine gelartige Masse aus Kollagenfasern, Wasser und Hyaloronsäure und füllt das Augeninnere aus.

Dieser schrumpft und verflüssigt sich mit zunehmenden Lebensalter. Der überwiegende Teil des Glaskörpers hat nur einen losen Kontakt mit der Netzhaut. An einzelnen Stellen ist er aber fest anhaftend. In Folge der Umwandlung und Verflüssigung kommt es an diesen Stellen zu einem Zug und Risse können sich bilden. Wird dabei auch ein Blutgefäß verletzt, blutet es ins Augeninnere, was vom Patienten wie ein Rußregen wahrgenommen wird. Durch den Riss gelangt  immer mehr Flüssigkeit unter die Netzhaut und sie hebt sich allmählich ab. Dies wird als Schatten wahrgenommen. Schreitet die Ablösung weiter fort und erreicht sie die Makula (gelber Fleck), kommt es zu einer massiven Sehverschlechterung.

Eine Netzhautablösung ist eine nicht seltene Erkrankung. Es treten im Jahr 10 bis 20 Fälle auf 100 000 Einwohner auf. Am häufigsten kommt es in der Altersgruppe der 40 bis 70 Jährigen dazu. Ein erhöhtes Risiko haben Patienten mit einer höheren Kurzsichtigkeit. Dies ist damit zu erklären, dass bei diesen der Augapfel länger als normal und damit die Netzhaut anfälliger für eine Rissbildung ist.

Finden sich lediglich Risse ohne größerer Netzhautabhebung, ist die Behandlung noch relativ einfach. Es wird um das Loch herum mit einem Laser eine Vernarbung angeregt und dadurch die Netzhaut mit ihrer Unterlage „verschweißt“. Damit wird verhindert, dass Flüssigkeit unter die Netzhaut strömen und diese abheben kann.

 

Operation ist Routineeingriff

Wenn die Netzhaut bereits abgehoben ist, hilft nur noch eine Operation. Im Klinikum Wels wurden im Jahr 2019 118  Patienten auf Grund einer Netzhautablösung operiert und es ist damit für die dortige Augenabteilung ein Routineeingriff.

Ziel dieser Operationen ist die Netzhaut wieder zur Anlage zu bringen. Eine Technik hierfür ist von außen auf den Augapfel eine Kunststoffplombe aufzunähen, die diesen eindellt. Dadurch nähert sich das Pigmentepithel der abgehobenen Netzhaut an und diese kann sich wieder an ihrer Unterlage festsaugen.

Die derzeit am häufigsten angewandte Technik zur Behandlung einer Netzhautablösung ist eine Vitrektomie. Dabei arbeitet man durch kleine Öffnungen im Inneren des Augapfels. Es wird dabei der Glaskörper, der meist durch seinen Zug die Ursache für die Abhebung ist, zerschnitten und entfernt. Die Flüssigkeit unter der abgehobenen Netzhaut wird abgesaugt und die Risse werden mit einem Laser oder einer Kältebehandlung versorgt. Am Ende der Operation füllt man das Auge mit einem Gasgemisch, welches die abgehobene Netzhaut andrückt. Dieses Gas resorbiert sich nach der Operation von selbst und das Auge füllt sich allmählich mit körpereigener Flüssigkeit und es kommt im Optimalfall zur völligen Wiederherstellung des Sehvermögens.

„Eine Netzhautablösung ist ein augenärztlicher Notfall mit guter Prognose bei rechtzeitiger Behandlung“ , erklärt Dr. Dragosits. „Es ist daher wichtig bei Symptomen wie Blitzen im Auge, neue aufgetretenen schwarzen Punkten und bei der Wahrnehmung eines Schattens ehestmöglich einen Augenarzt aufzusuchen.“


Quelle: Augenarzt Dr. Ernst Dragosits

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