Cybercrime-Bericht 2018: Kriminalität im Netz bleibt große Herausforderung

Cybercrime-Bericht 2018: Kriminalität im Netz bleibt große Herausforderung

Auch im Jahr 2018 verzeichnete das Cybercrime Competence Center (C4) des Bundeskriminalamtes eine Zunahme von Cybercrime Delikten. Im Vergleich zum Vorjahr wurde ein Anstieg von 16,8 Prozent registriert, vorwiegend im Bereich Internetbetrug

Die Zahl der Cybercrime-Anzeigen stieg von 16.804 Anzeigen im Jahr 2017 auf 19.627 2018 an. Eine positive Entwicklung war bei den Tatbeständen "Cybercrime im engeren Sinn" zu verzeichnen. Unter Cybercrime im engeren Sinn werden jene Straftaten verstanden, welche das Ziel haben Daten- oder Computersysteme mit Hilfe von Informations- oder Kommunikationstechniken anzugreifen. Hier ist die Anzahl der gemeldeten Fälle von 3.546 (2017) auf 3.070 (2018) gesunken, dies bedeutet ein Minus von 13,4 Prozent. Die Aufklärungsquote bei den Delikten von Cybercrime im engeren Sinn stieg von 28,2 Prozent (2017) auf 32,1 Prozent (2018).

Gegensätzlich dazu befinden sich Cybercrime-Delikte im weiteren Sinn im Steigen. Im Vergleich zu 2017 stieg die Anzahl der angezeigten Straftaten um 23,9 Prozent auf 16.557 Anzeigen. Unter Cybercrime im weiteren Sinn zählen Straftaten, bei denen die Informations- und Kommunikationstechniken zur Planung, Vorbereitung und Ausführung herkömmlicher Straftaten, wie Betrugsdelikte oder Erpressung unter Nutzung von Informationstechnologien sowie Urkundenfälschung verwendet werden. Im Jahr 2018 konnte in allen Deliktsbereichen, die unter Cybercrime im weiteren Sinn fallen, ein Anstieg registriert werden, bis auf den Straftatbestand der Urkundenfälschung, hier ist vor allem bei der Fälschung von besonders geschützter Urkunden eine signifikante Verringerung um 79,4 Prozent zu verzeichnen. Im Vergleich zu 2017 ist die Erpressung (§ 144 StGB) um 237 Prozent von 474 auf 1599 angezeigte Fälle angewachsen.

"Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre wertvolle Arbeit bei der Bekämpfung der Internetkriminalität. Es bedarf gerade in diesem Kriminalitätsbereich vieler Hände, die gemeinsam an einem Strang ziehen. Sie alle leisten einen wertvollen Beitrag, um Österreich nicht nur in der realen sondern auch in der virtuellen Welt sicherer zu machen.", so Dr. Michael Fischer, stellvertretender Direktor des Bundeskriminalamtes.

Data Leaks. Ein immer wiederkehrendes Problem stellen so genannte Data Leaks dar. Geleakte Datensätze können Namen, Mailadressen, Zugangsdaten oder auch Passwörter beinhalten. 2018 wurden große Sammlungen so an die Öffentlichkeit gelangter Daten der letzten Jahre zusammengefasst und in gebündelter Form nicht nur im Darknet, sondern auch auf konventionellen Internetseiten zum Kauf angeboten. Diese missbräuchlich gewonnen Datensätze resultieren aus Angriffen auf verschiedene Geräte beziehungsweise Anwendungen. Einfallstor hierfür bieten schlecht gesicherte Webportale oder Mitarbeiter- und Kundenplattformen von Unternehmen.

Dank den Ermittlungserfolgen des C4 konnten im Jahr 2018 annähernd 100.000 Betroffene über ihre im Netz aufgetauchten Daten informiert werden und dadurch eine Vielzahl an potentiell Geschädigten darauf aufmerksam machen.

"Distributed Denial of Service"– DDoS-Angriffe. Aufgrund des österreichischen Ratsvorsitzes in der Europäischen Union von 1. Juli bis 31. Dezember 2018, wurden durch die Erfahrungswerte anderer Länder während der Ratspräsidentschaft der Fokus vermehrt auf DDoS-Angriffe gelegt. Im 
Zuge dessen beteiligte sich das C4 im Vorfeld bei internationalen EMPACT Projekten (European Multidisciplinary Platform Against Criminal Threats) sowie an operativen Einsätzen bei der Joint 
Cybercrime Action Tascforce (J-CAT) bei Europol, die sich mit der Bekämpfung von DDoS-Angriffen beschäftigen. Im April 2018 gelang es unter der Koordinierung von J-CAT mit der Operation "Power Off" den größten Dienstanbieter für DDoS-Angriffe "webstresser.org" vom Netz zu nehmen. Diese internationale Amtshandlung war unter anderem ausschlaggebend dafür, dass die Anzahl der DDoS-Angriffe während der Ratspräsidentschaft gering gehalten werden konnte.

Ransomware. Der so genannte Erpressungstrojaner bleibt auch 2018 weiter Gegenstand der Ermittlungsarbeiten der SOKO Clavis. Dank ihrer erfolgreichen Arbeit gelang es den Ermittlern mehrere Beschuldigte und Verdächtige, die durch große Ransomware-Varianten Schäden in Millionenhöhe verursachten, auszuforschen. Die Fallzahlen im Jahr 2018 konnten sich zudem auf ein durchschnittliches Niveau stabilisieren. Die Ermittler sehen sich jedoch zunehmend mit Cyber-Kriminellen, die nicht nur Tools, die leicht aus dem Darknet zu beschaffen sind, verwenden, sondern sich auch entsprechendes Fachwissen aneignen, konfrontiert.

Internetbetrug. Eine zunehmend beliebte Form des Betrugs ist der Internetbetrug. Dieser umfasst eine Vielzahl an Modi Operandi, die sich von der vorgetäuschten Warenlieferung, BEC (Business E-Mail Compromise) bis zum Gewinnversprechen erstrecken.

Durch die zunehmende Digitalisierung verlagern sich immer mehr Vorgänge ins Internet. Da sich Kriminelle rasch den Neuerungen anpassen, werden immer neuere und gezieltere Betrugsformen entwickelt, die durch Anonymisierungsprozesse und Verschleierung der Finanzflüsse unerkannt und für den Täter "sicher" durchzuführen sind. Aufgrund des weltweiten Zugangs zum Internet, sind Kriminelle in der Lage ein breites Publikum anzusprechen und zu möglichen Opfern zu machen.

Besonders häufig sind das Versenden von Gewinnversprechen via E-Mail, Bestellbetrügereien mittels Fake-Webshop, das Verwenden falscher Identitäten und Kontaktdaten bei online Einkäufen oder auch das "Love Scamming" über soziale Medien.

Kryptowährungen und Behördenwallets. Digitale Zahlungsmittel, wie Bitcoin oder Ethereum, erleben trotz Kursverlusten eine Konjunktur sowohl bei legalen als auch illegalen Bezahlvorgängen. Seit 2018 ist das C4 rechtlich und technisch befähigt, Sicherstellungen von Kryptowährungen durchzuführen. Dafür werden extra Behörden-Wallets eingerichtet, wo die virtuellen Zahlungsmittel aufbewahrt werden. Das Gericht erklärt die sichergestellten "Cryptos" meist für verfallen. Anschließend ist das C4 bemächtigt die Verwertung vorzunehmen und die Geldsummen an die jeweiligen Gerichte zu transferieren.

Sofortmaßnahmen. Der Trend vom Vorjahr setzt sich auch im Jahr 2019 durch. Die vorläufigen Daten der Kriminalstatistik aus dem ersten Halbjahr zeigen, dass die Internetkriminalität weiterhin eine große Herausforderung bleibt. In den ersten sechs Monaten wurden 13.020 Delikte zur Anzeige gebracht, im Jahr 2018 waren es 8.659 gemeldete Straftaten. Ein besonders signifikanter Anstieg von 32,3 Prozent auf 8.187 Anzeigen ist im Bereich Internetbetrug zu erkennen.

Aufgrund dieser Erkenntnisse hat die Polizei sofort reagiert und ein Maßnahmenpaket für unterschiedliche Zielgruppen ausgearbeitet. Für Privatpersonen wurde eine intensive Präventions- und Informationskampagne auf unterschiedlichen Medien initiiert, um möglichst viele Menschen zu erreichen und ihnen Tipps für den sicheren Umgang mit dem Internet bereitzustellen. Weiters startete im Herbst 2019 eine österreichweite Roadshow, die Informationen an alle Interessierten vermittelt. Schon entwickelte und erprobte Präventionsmaßnahmen, wie Under.18, Sicher in den besten Jahren und Cyber.Sicher werden nun verstärkt durchgeführt.

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