Biber fast zu Tode gequält

Biber fast zu Tode gequält

Biber in Narkose, nach Befreiung von der Falle, kurz vor der Operation

Am Sonntagnachmittag haben Spaziergänger bei Altheim (Bez. Braunau, OÖ) eine furchtbare Entdeckung gemacht: Ein Biber war mit einem Bein in einem grausamen Tellereisen eingeklemmt. Das schwer verletzte Tier lag mit der illegalen Falle am Bein in einem Bachbett. Eine ehrenamtliche Helferin des Rieder Tierschutzvereins konnte schließlich den - wegen der starken Schmerzen - sehr aggressiven Biber einfangen. Die Tierschutzorganisation PFOTENHILFE brachte das Tier dann schnellstmöglich ins VetZentrum Anif, wo noch am Sonntagabend Tierarzt Mag. Wolfgang Biebl höchstpersönlich die junge, weibliche Patientin operierte.

Die Spaziergänger berichteten, dass sie nach dem Fund zunächst den zuständigen Jäger verständigten, der zugesagt habe, sich darum zu kümmern. Als sie nach zwei Stunden noch einmal nach dem Tier sahen, sei die Situation unverändert gewesen, weshalb sie den Tierschutzverein angerufen haben.

"Bei verletzten Wildtieren bitte immer sofort bei uns anrufen, wenn das Tier eine Überlebenschance haben soll", appelliert PFOTENHILFE-Geschäftsführerin Johanna Stadler an Tierfreunde. "Das ist ein handfester Skandal: Wir schreiben das Jahr 2021 und sind trotzdem mit mittelalterlich anmutenden Foltergeräten konfrontiert - und das jetzt schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen im Innviertel. Was muss in einem Menschen vorgehen, um zu solchen Grausamkeiten fähig zu sein, dass er unschuldige Tiere vorsätzlich quält und schwerst verletzt?!"

Bei der Untersuchung hat sich herausgestellt, dass es sich um ein weibliches Tier handelt, das schon mindestens seit mehreren Tagen in dem Foltergerät eingeklemmt gewesen sein muss. Die Röntgenbilder zeigten leider, dass - wie bei diesen Fallen zumeist - die Knochen durch die hohe Schlagkraft und die gezackten Bügel komplett durchgebrochen waren. Es war auch kein Gefühl mehr in der Pfote feststellbar, weshalb nur noch eine Amputation möglich war. Weiters stellte der Tierarzt fest, dass der Biber Kieferverletzungen hat, weil er wohl ständig versucht hat, sich die Falle herunterzubeißen. Zudem hat das Opfer eine ältere Verletzung an der linken Hinterhand, die sehr dick angeschwollen und voller Eiter war. Diese Fallen sind wegen ihrer extremen Grausamkeit seit 1995 in der gesamten EU verboten. Die Retterin ist jedenfalls gleich mit der Falle zur Polizei gefahren und hat eine Anzeige gemacht. Nach dem Strafgesetzbuch drohen dem Täter bis zu zwei Jahre Haft für diese Tierquälerei. Jeder Hinweis ist jetzt wichtig, auch anonyme Hinweise sind über das Kontaktformular auf www.pfotenhilfe.at willkommen.

Ob das Tier nach der Rekonvaleszenz am Tierschutzhof PFOTENHILFE je wieder ausgewildert werden kann, wird mit einem Expertengremium analysiert. Inwieweit der aktuelle Skandalfall in einem Zusammenhang mit der kürzlich im Gemeinderat diskutierten "Biberproblematik" steht, müssen die Behörden jetzt prüfen.

Quelle, Fotocredit: Tierschutzorganisation PFOTENHILFE Jürgen Stadler / ots

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