Bauernbund zu Glyphosat: Verbot des Nationalrats beschert Rechtsunsicherheit

Bauernbund zu Glyphosat: Verbot des Nationalrats beschert Rechtsunsicherheit

Bierlein gefordert, Gesetz nicht in Kraft treten zu lassen

SPÖ, FPÖ, NEOS und Liste JETZT haben sich im Sommer gegen die österreichische Landwirtschaft und für ein vollständiges nationales Anwendungsverbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat entschieden. Ein solches Verbot wurde davor für Kärnten bereits als EU-rechtswidrig eingestuft und dort in ein Teilverbot (Verbot im privaten Gebrauch und sensiblen Zonen) umgewandelt. Das im Juli 2019 vom Parlament beschlossene vollständige nationale Anwendungsverbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat bedarf einer Notifizierung durch die EU-Kommission, um in Kraft treten zu können.

Die EU-Kommission hat in ihrem Schreiben die Vorgehensweise von SPÖ, FPÖ, NEOS und Liste JETZT aufs Schärfste kritisiert. "Das Gesetz hätte bereits als Entwurf notifiziert werden müssen und nicht erst nach dem Beschluss durch den National- und Bundesrat", übt der Bauernbund Kritik an den Parlamentsparteien. Außerdem gibt es laut dem Europarechtsexperten Walter Obwexer zahlreiche rechtliche Argumente, warum dieses Gesetz so nicht anwendbar ist. Zudem hat die EU-Kommission im August 2019 gegenüber einer Anfrage von MEP Alexander Bernhuber festgestellt, dass ein generelles Verbot außerhalb des vorgegeben Rechtsrahmens dem EU-Recht zuwiderlaufen würde.

"Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln ist aus gutem Grund auf europäischer Ebene geregelt, damit für die Landwirtschaft in den Mitgliedstaaten gleiche Bedingungen gelten. Nationale Einzelverbote sind nicht im Sinne europäischer Zulassungsmechanismen. Es kann nicht sein, dass die Kommission hier mit zweierlei Maß misst. Diese Entscheidung steht nicht nur im Widerspruch zu bisherigen Urteilen der Kommission, sondern bedeutet auch einen Wettbewerbsnachteil für unsere Bäuerinnen und Bauern", kritisiert der Österreichische Bauernbund.

Nun droht der Republik ein Vertragsverletzungsverfahren aufgrund der rein parteipolitischen Entscheidung von SPÖ, FPÖ, NEOS und Liste JETZT. Aufgrund der entstehenden Rechtsunsicherheit drohen Klagen. "Dieses Pfuschgesetz muss von SPÖ, FPÖ und NEOS im Parlament unbedingt repariert und ordnungsgemäß notifiziert werden. Wir fordern Bundeskanzlerin Bierlein auf, das Gesetz nicht in Kraft treten zu lassen - sie würde damit ein Vertragsverletzungsverfahren in Kauf nehmen", warnt der Bauernbund.

Keine Planungssicherheit für betroffene Bauern

"Die österreichischen Bauern brauchen jetzt Planungssicherheit und stabile Rahmenbedingungen. Es wäre verantwortungslos, würde die Entscheidung über ein nationales Glyphosat-Totalverbot in einem langwierigen rechtlichen Pingpong zwischen EU-Kommission und den nationalen Behörden ausarten", hält der Bauernbund fest. 

Quelle: Bauernbund Österreich, Martina Rieberer, BSc/ots  //  Fotocredit: Symbolfoto

Mehr über den Autor

Das könnte Sie interessieren!

Weltweitwandern ist für seine Gäste und Partner da

13. 07. 2020 | Wirtschaft

Weltweitwandern ist für seine Gäste und Partner da

„Nur gemeinsam mit unseren gleichgesinnten Partnern können wir unsere und die Sicherheit unserer Reisegäste gewährleisten. Wir setzen weiterhin auf die Par...

Neusiedler See Card - Mit den Öffis pannonische Vielfalt genießen

13. 07. 2020 | Freizeit

Neusiedler See Card - Mit den Öffis pannonische Vielfalt genießen

Sicher und komfortabel urlauben: Die Neusiedler See Card ermöglicht unter Anderem die kostenlose Benützung des Öffentlichen Verkehrs

Internationale Top-Zeugnisse für Vetmeduni Vienna

13. 07. 2020 | Panorama

Internationale Top-Zeugnisse für Vetmeduni Vienna

Bereits zum vierten Mal in Folge hat die Veterinärmedizinische Universität Wien die EAEVE-Akkreditierung erfolgreich durchlaufen

Neue Handy-App lotst zu Naturdenkmälern in Wien

13. 07. 2020 | Panorama

Neue Handy-App lotst zu Naturdenkmälern in Wien

Bürgermeister Michael Ludwig testete die Smartphone-App des Gregor Mendel Instituts und der Umweltabteilung der Stadt Wien

14-jähriger Bub durch Steinschlag getötet

12. 07. 2020 | Blaulicht

14-jähriger Bub durch Steinschlag getötet

Ein 14-jähriger Bub ist beim Zustieg zur Eisriesenwelt bei Werfen durch einen Steinschlag getötet worden. Ein weiterer Jugendlicher wurde schwer verletzt